Montag, 12. Januar 2015

Feedback: Methoden für die Praxis


Als Linienvorgesetzter und auch als Moderator von Innovations-Workshops ist Feedback ein zentraler Bestandteil. Dabei ist zwischen fachlichem Feedback und personenbezogenes Feedback zu unterscheiden.

Ich gehe in diesem Blog auf das fachlich-orientierte Feedback ein.
Die unterschiedliche Methoden und deren Einsatz sind abhängig von Kontext. D.h. nicht in jeder Situation entfaltet jede Feedback-Methode Ihre Stärke. Daher ist es wichtig sich in der Vorbereitung die Gedanken über die richtige Methode zu machen. Jedes Feedback ist vorzubereiten.
Zwei wichtige Aspekte vorab:
Ich stelle fest, dass Feedback von den Betroffene, sei es eine einzelne Person oder eine Gruppe immer noch falsch aufgenommen wird. Feedback sehe ich als „Geschenk“ an, welches ich erhalte. Daher ist es unabdingbar, dass das Feedback ohne „Gegenwähr“ aufgenommen wird, d.h. dass der Feedback-Betroffene das Feedback annimmt ohne sich zu verteidigen. Wichtig hingegen sind Verständnisfragen, damit das Feedback richtig interpretiert wird.
Hingegen muss der Feedbackgeber akzeptieren, dass sein Feedback nicht zwingend angenommen werden muss.  

Dieses Verständnis ist immer vorab nochmals zu erläutern, ebenso dass das Feedback fachlicher oder personenbezogen Natur ist. Kurz gesagt, die Spielregeln müssen klar sein!

Nun zu den Methoden.
Die beste Erfahrung habe ich mit folgenden Methoden gemacht:
  1. Dieses häufig eingesetzte Feedbackverfahren wendet sich mit einer konkreten Fragestellung an alle Teilnehmer, z.B. „Seid Ihr mit dem Ergebnis des Workshop zufrieden?“.
    Reihum äussern sich alle Teilnehmer mit wenigen Worten (max. 30 Sekunden) subjektiv auf die Frage, die Äusserungen dürfen nicht kommentiert oder kritisiert werden.
    Auch gibt es keine Nachfragen, falls jemand sich nicht äussern möchte.
    Die wichtigsten oder am häufigsten genannten Punkte werden in einem Stichwortprotokoll festgehalten oder kurz besprochen.
    Ziel: diese schnelle Methode gibt einen guten Einblick in die aktuelle Stimmungslage innerhalb einer Gruppe.
    Diese Methode nutze ich gerne am Ende eines Workshops. Alle setzen sich in einen offenen Kreis zusammen (Teamzusammenhalt unterstützen) und äussern Ihr Befinden (Anliegen ernst nehmen). Es ist zeitlich limitiert (max. 30 Sek. Pro Teilnehmer) und zeigt das Stimmungsbild des gesamten Teams auf.
    Ich wende diese Methode auch spontan an, wenn ich während des Workshops das Gefühl habe, dass die „etwas“ nicht stimmt.
  2. Auf einem Blatt werden auf der einen Seite positive Rückmeldungen, auf der Rückseite alle kritischen oder unklaren Aspekte aufgeschrieben. Zeitrahmen 1 Minute.
    Die Auswertung erfolgt zeitnah nach Ende eines Vortrages oder der Veranstaltung, entweder durch den Leiter oder einer ausgewählten Teilnehmergruppe.
    Das Feedback wird herausgearbeitet, interpretiert, im Anschluss werden Vorschläge herausgearbeitet für mögliche Veränderungen.
    Ziel: die Teilnehmer setzen sich aktiv mit den Inhalten auseinander, offene Fragen werden erhoben.
    Erfahrung: Die Methode ist deshalb erfolgreich, weil durch die Zeitbeschränkung die wesentlichen Aspekte aufkommen. Dies gelingt, da sich der Feedback-Geber nicht in Formulierungen oder Gedanken verliert. Dafür reicht die Zeit einfach nicht.
    Im Gegensatz zur Blitzlicht Methode ist das Festhalten zentral. Das Feedback positioniere ich oft an einer Metawand, um jederzeit darauf eingehen zu können.
  3. Rot/Grün Methode
    Die Rot/Grün Methode ist abgeleitet von der Wateringhole Methode und/oder auch von der Bono-Methode.
    Auf grünen und roten A5-Post-ITs wird Feedback der Teilnehmer zu einem Sachverhalt aufgenommen. Dabei beschreibt das grüne Feedback nur die positiven Aspekte die aus Sicht des Feedbackgebers „unbedingt“ beibehalten werden sollen. Hingegen beschreibt das rote Feedback die Aspekte die aus Sicht des Feedbackgebers „eliminiert“ werden sollen. Der Hintergrund ist die Trennung des typischen Verhaltens „Finde ich gut, aber….“.
    Es bewegt dem Feedbackgeber dazu, sich das Feedback genauer zu überlegen und zu formulieren. Mit diesem Ansatz erhält der Feedback-Betroffene gemäss Gaussscher Normalverteilung nur das „extreme“ Feedback, d.h. das allgemeine Feedback (Glocke bei der Gaussschen Normalverteilung) entfällt.
    Ziel: die Teilnehmer erhalten strukturiertes Feedback zum Sachverhalt, „gutes“ soll beibehalten, „schlechtes“ hingegen verworfen werden.
    Erfahrung: Diese Methode ist einfach, verständlich und sehr wirkungsvoll. Es zeigt jeweils die Extreme (positiv/negativ) auf, die die essentiellen Aspekte meist umfasst.
    Wichtig ist, dass das „rote“ Feedback, also das negative Feedback zuerst kommuniziert wird und dann, zum Abschluss, das „grüne“ also das positive. Der bleibende Eindruck des Feedback-Betroffenen ist dadurch positiv geprägt, wenngleich er meist erheblich mehr negatives Feedback erhält.

Viel Spass und kommen Sie auf mich zu, wenn Sie Fragen oder Anmerkungen haben.

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